Importverbot verschiedener Schlangen in die EU

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domino
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Importverbot verschiedener Schlangen in die EU

Beitrag von domino » Mo Mär 07, 2011 23:08

Hallo Zusammen,

da ich gerade an einem Artikel arbeite, der mit ein paar Mythen aufräumen soll, bin ich bei meiner Literaturrecherche über folgendes gestolpert:

VERORDNUNG (EU) Nr. 997/2010 DER KOMMISSION
vom 5. November 2010
zur Aussetzung der Einfuhr von Exemplaren bestimmter Arten wild lebender Tiere und Pflanzen in die Europäische Union

Darin sind unter anderem aufgelistet folgende Schlangenarten:

Exemplare von in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 aufgeführten Arten, deren Einfuhr in die Union ausgesetzt wird


Boidae
Boa constrictor Wildfänge Alle El Salvador, Honduras
Calabaria reinhardtii Wildfänge Alle Togo
Aus Ranchingbetrieben Alle Benin, Togo
Eunectes murinus Wildfänge Alle Paraguay

Elapidae
Naja atra Wildfänge Alle Laos
Naja kaouthia Wildfänge Alle Laos
Naja siamensis Wildfänge Alle Laos

Pythonidae
Liasis fuscus Wildfänge Alle Indonesien
Morelia boeleni Wildfänge Alle Indonesien
Python molurus Wildfänge Alle China
Python natalensis Aus Ranchingbetrieben Alle Mosambik
Python regius Wildfänge Alle Benin, Guinea
Python reticulatus Wildfänge Alle Indien, Malaysia (Halbinsel), Singapur
Python sebae Wildfänge Alle Mauretanien

Quelle: http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documen ... etzung.pdf
*Section editor, Herpetoculture, Herpetological Review
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Murinus
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Beitrag von Murinus » Di Mär 08, 2011 16:00

Na, das wäre doch mal ein Paukenschlag...und so wie ich das gelesen habe, ist es auch in Kraft gesetzt worden seit Anfang November.

Mich würde es freuen, ein Schritt in die richtige Richtung...

Komisch, das das bisher keine Beachtung gefunden hat...

Liebe Grüße

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nexxus
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Beitrag von nexxus » Di Mär 08, 2011 16:16

Dürfte nicht zuletzt an der Umsetzung liegen. Faktisch dürften diese Tiere nicht mehr durch den Zoll kommen, wie aber in jedem System, gibt es Fehler...
- nicht zuletzt beim "Etikettenschwindel" - sprich Herkunft
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domino
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Beitrag von domino » Di Mär 08, 2011 16:22

Komisch, das das bisher keine Beachtung gefunden hat...
Deswegen hatte ich es ja auch gepostet. Ich dachte mir, dass kaum jemand davon weiß.
Bei manchen Arten kann man noch "schnell über die Grenze" (z.B. Togo, Laos), aber bei anderen Arten gibt es keine Importe mehr (z.B. Morelia boeleni, Liasis fuscus), da es kein "schnell über die Grenze" gibt. M. boeleni und L. fuscus (Indonesien) kommen halt nur auf der Insel Neuguinea vor.

Achja, interessant übrigens, dass Python molurus im Anhang B gelistet ist ;-)

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nexxus
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Beitrag von nexxus » Di Mär 08, 2011 16:30

Hatte vor kurzen auch das Vergnügen diese Liste zu durchforsten, als ich was zu diversen Paragraphen durchforstet habe. Leider scheinen aber gerade solche Gesetze ( EU - Verordnungen ) , nicht bei jedem anzukommen. Selbst mancher "Sachbearbeiter" im Amt, scheint (veständlicherweise ) manchmal überfordert, sodaß man selbst entsprechende Paragraphen und Passagen braucht, um selbigen einen Stupser in die "richtige" Richtung zu geben.
M. boeleni und L. fuscus (Indonesien) kommen halt nur auf der Insel Neuguinea vor.
Ich glaube das es selbst da, noch Mittel und Wege gibt, die in einer rechtlichen Grauzone liegen. Sobald man sich mit der Thematik beschäftigt, wird einem schnell klar, wie sehr man sich bei bestimmten Tieren in "Grenzgebiete" begiebt und wie löchrig noch manche Systeme sind. - das gehört aber nicht näher öffentlich diskutiert.

Gruß Fabian
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Wuppnwech
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Beitrag von Wuppnwech » Di Mär 08, 2011 17:04

Da es sich in dem o.g. Papier nur um Wildfänge handelt, ist es eine Frage des Geldes, um daraus eine Farmzucht zu machen. Nicht mehr oder weniger. Und schon wird es wieder legal.
Da braucht man eventuell nicht mal um die Grenze jodeln, auch wenn man weiß, dass es bei best. Arten gar keine Farmen bzw. NZ gibt sondern immer Naturentnahmen sind.
Alles eine Frage des schnöden Mammons, wer will denn den Aufwand betreiben, um das Gegenteil zu beweisen?
Viele Grüße
Manfred Dorka

Jasmin&Anhang
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Beitrag von Jasmin&Anhang » Mi Mär 09, 2011 14:40

Hallo zusammen,

wo kommt den diese Liste im Original her ?

Calabria reinhardtii ist nämlich z.B. keine Boa sondern eine Python und zwar heisst die mit deutschem Trivialnamen Erdpython (ist ein schwarzes Tier das bei so einem Meter bleibt; sieht aus wie ein sehr dicker und langer Regenwurm in schwarz).

Und wie wollen die am Zoll feststellen, auf welcher Seite der Staatsgrenze dort unten die einzelne Schlange die meiste Zeit verbracht hat, da ja immer nur aus einem Land ein Einfuhrverbot erlassen wurde, was ja völlig dämlich ist.

Das ist aber nicht wirklich von einer EU-Fach-Kommission oder sowas ?
Haben die da gar keine Fachleute bei den Kommissionen ?

Komische Sache.

domino
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Beitrag von domino » Mi Mär 09, 2011 14:44

Calabria reinhardtii ist nämlich z.B. keine Boa sondern eine Python...
Auch nicht! Zwar ist der Trivialname Erdpython, aber die Gattung Calabria ist näher verwandt mit den Boidae (Boas) als mit Pythons deren nächste Verwandte eher die Loxocemidae und die Xenopeltidae sind ;-)
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Wuppnwech
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Beitrag von Wuppnwech » Mi Mär 09, 2011 16:53

Naja, eigentlich wäre richtig: Sandboas (Erycinae), welche neben den Pythons (Pythoninae) und Boas (Boinae) die drei Unterfamilien der Riesenschlangen (Boidae) bilden.

Siehe auch http://reptile-database.reptarium.cz/sp ... einhardtii
Es sei denn, das hat sich letzt wieder geändert ;-)
Viele Grüße
Manfred Dorka

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X-atheris
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Beitrag von X-atheris » Mi Mär 09, 2011 16:54

Jasmin&Anhang hat geschrieben:wo kommt den diese Liste im Original her ?
Ein Klick auf den Link hätte es Dir verraten: Von der EUROPÄISCHEN CITES KOMMISSION

Offizieller geht es also nicht... ;-)
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