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Knowledge Base

Autor Rene02 Datum So Jan 03, 2010 23:04 Aufrufe 1394
Beschreibung Haltung und Zucht von Pazifikboas
Kategorie Artenbeschreibungen Typ Schlangen
Schlüsselworte
Candoia carinata paulsoni Haltung Zucht Pazifikboa

Pazifikboas im Terrarium (Candoia carinata & Candoia paulsoni)

Übersicht

Die Pazifikboa im Terrarium
(Candoia carinata, SCHNEIDER 1801 UND CANDOIA PAULSONI, STULL 1956)

Candoia sp. ist eine klein bleibende Riesenschlange, deren Aussehen für die meisten, die das Hobby der Terraristik betreiben etwas gewöhnungsbedürftig ist. Da kaum Nachzuchten auf dem Markt sind und die Problematik mit Wildfängen wohl allseits bekannt ist, habe ich mich dazu entschlossen meine Erfahrungen in Haltung und Vermehrung dieser wunderbaren Tiere in vorliegendem Artikel niederzuschreiben. Da dieser aber auf eigenen Erfahrungen und denen befreundeter Halter aufgebaut ist, erhebt sich kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die Tiere sind, wie alle Schlangen, von Individuum zu Individuum äußerst variabel im Verhalten und so kann ich für abweichende Verhaltensmuster keine Garantie übernehmen. Obwohl die Gattung Candoia in den letzten Jahren revidiert wurde möchte ich doch beide Arten in einem Artikel behandeln, sodass ich lediglich auf spezifische Einzelheiten beider Arten konkret eingehe.

Beschreibung und Verhalten:
Candoia paulsoni weisen einen sehr flachen Kopf und einen kurzen Schwanz auf. Der Körper ist recht gedrungen. Beim fressen sehr gierig, sind die Tiere bei vernünftiger Haltung friedfertige Pfleglinge. Männchen von Candoia paulsoni werden in der Regeln um die 100 cm lang, während
Weibchen dieser Art durchaus bis zu 120 cm Länge erreichen können. Adulti wiegen bis knapp unter 2000 Gramm, je nach Geschlecht. Candoia carinata ist weitaus schlanker gebaut und besitzt einen länger Schwanz als Candoia paulsoni. Über Gewichte adulter Tiere kann ich leider keine gesicherten Angaben machen. STEINMÜLLER (pers. Mitteilung) gibt für ein seit einigen Jahren in Deutschland befindliches Wildfang-Tier ein Gewicht von 160 Gramm an. Beide Arten unterliegen dem Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens der „Convention on International Trade in Endangered Species“ (CITES).

Unterarten:
Neben der Nominatform Candoia carinata carinata gibt es noch die ehemalige Unterart Candoia carinata paulsoni (STULL 1956), die aber von SMITH et al. 2001 in Artstatus erhoben wurde, was auch in späteren Untersuchungen Bestätigung fand (WIRZ 2003). Einen kurzen Überblick über die derzeit aktuellen Unterarten von Candoia carinata und Candoia paulsoni:

    Boa carinata...............SCHNEIDER 1801: 261
    Boa variegata.............THUNBERG 1807
    Candoia carinata.........GRAY 1842: 43
    Enygrus carinatus......DUMERIL & BIBRON 1844: 479
    Enygrus carinatus......GÜNTHER 1863: 398
    Enygrus carinatus......BOULENGER 1893: 107
    Enygrus carinatus......BOULENGER 1895: 31
    Enygrus carinatus......DE ROOIJ 1917: 31
    Candoia carinata.........STIMSON 1969
    Candoia carinata.........MCDIARMID, CAMPBELL & TOURÉ 1999: 188

    Candoia c. paulsoni.....STULL 1956
    Candoia paulsoni........SMITH ET AL. 2001
    Candoia paulsoni........WIRZ 2003

    Arten:............Unterarten:..........Bemerkungen:
    Candoia.........carinata................carinata und tepedeleni
    Candoia.........paulsoni................paulsoni, vindumi, tasmai, mcdowelli, sadlieri, rosadoi

    -> Ob die weißen Tiere „Isabels“ eine eigene Unterart darstellen muss noch geklärt werden.

    [Quelle: EMBL Reptile Database (September 2008)]


Verbreitung:
Salomon-Inseln und einzelne Indonesische Inseln, Santa Cruz Islands, Irian Jaya, Halmahera und der Südosten von Papua-Neuguinea. Wirz (2003) beschreibt die Tiere von folgenden Lokalitäten: Sangihe, W. Moluccas (Banda, Gora, Haruku), Irian Jaya (Miosool, Batanta, Salawati), Papua Neuguinea, Bismarck-Archipel, Tanimbar. Während Paulsoni´s lapidar gesagt überall dort vorkommen, wo es keine Populationen von Candoia aspera gibt, kommen Carinata´s sympatrisch mit diesen vor.

Haltung:
Bei vielen Interessierten gelten Tiere der Gattung Candoia als äußerst bissig. Dieses Gerücht hält sich wohl auch deshalb so stark, weil die Tiere in Terrarienhaltung nur eine geringe Verbreitung genießen.
Ich halte die Tiere einzeln in Becken von 100 x 60 cm Grundfläche. Den bodenbewohnenden Candoia paulsoni genügen 40 cm Höhe, während für die kletterfreudigen Candoia carinata durchaus auch 70 cm gerne genutzt werden. Durch ein geschicktes einrichten der Terrarien mit Klettermöglichkeiten und Ablageflächen lässt sich die Nutzfläche der Behälter noch erhöhen. Paare oder kleine Gruppen können problemlos auf 120 x 60 x 70 cm gehalten werden. Die Temperaturen am Tag sollten zwischen 26 und 32 Grad liegen, wobei sie nachts auf 22°C abfallen können. Tiefer sollten sie aber nicht sinken. Ich habe dauerhaft relativ konstante Feuchtigkeitswerte von über 70 %. Höher als 85 % werden die Werte bei mir allerdings nur direkt nach dem Sprühen. Diese fallen aber recht bald wieder ab. Als Bodengrund haben sich eine Vielzahl von Substraten bewährt. So kann man z.B. auf mit Laub bedeckte Terrarienerde, Rindenmulch, ein Torf-Sand-Gemisch oder auch diverse Substrate aus Holzspänen zurückgreifen. Dabei sollte man aber darauf Acht geben, dass die verwendete Holzart keine schädlichen Bestandteile besitzt.
Ein größeres Badebecken, welches auch einer erhöhten Luftfeuchtigkeit zu gute kommt sollte mit stets frischem Wasser gefüllt sein. Auch eine Stelle mit feuchtem Moos (ggf. Wetbox) wird gerne angenommen. Echte Pflanzen machen zwar den Behälter optisch anspruchsvoller, sind meines Erachtens nach aber nur für Carinatas praktikabel, da Paulsonis durch ihr Gewicht die Bepflanzung bald zerstören würden. Jungtiere und frische Wildfänge beider Arten können teils sehr nahrungsspezialisiert sein. Dies gilt besonders für Candoia carinata. Allgemein reicht das Beutespektrum von Echsen über Amphibien und kleine Vögel bis hin zu Nagern entsprechender Größe. Die Menge der Fütterung richtet sich wie bei allen Schlangen nach der Größe der einzelnen Pfleglinge. Zuchtweiber sollten etwas mehr bekommen um für die Vermehrung gut konditioniert zu sein. Pro und Contra der Verfütterung lebender Beute soll hier nicht Bestand sein, da es dabei meines Wissens nach keine artspezifischen Argumente gibt. Candoias beider Arten können ein Alter von mehr als 20 Jahren erreichen, die richtige Haltung und Pflege natürlich vorausgesetzt.

Vermehrung und Jungtieraufzucht:
Da mir Erfahrungen zur Vermehrung von Candoia carinata fehlen, bezieht sich dieser Teil des Artikels ausschließlich auf Candoia paulsoni. Meiner Meinung nach dürfte sich das Beschriebene in einigen Teilen auf Candoia carinata übertragen lassen. Durch die Lage des natürlichen Biotops ist auch bei der Terrarienhaltung eine Winterruhe nicht notwendig. Es empfiehlt sich aber, den Tieren über einen kurzen Zeitraum eine Ruhephase zu gönnen. Dabei können die Temperaturen um ca. 5 Grad gesenkt werden – jedoch nicht unter 20 Grad. In einem Zeitraum von November bis April oder Mai finden die Paarungen der Pazifikboas statt. Nach den Meinungen mancher Halter soll es von Vorteil sein, die Tiere zum paaren in größeren Gruppen zusammen zu setzen. Das habe ich aber selbst noch nicht ausprobiert. Trächtige Weiber stellen meist nach ungefähr der Hälfte der Tragzeit die Nahrungsaufnahme ein. Meiner Meinung nach hängt das damit zusammen, dass die Jungtiere ähnlich wie bei Python regius den Bauchraum des Muttertiers zu sehr ausfüllen. Die Tragzeit der lebendgebärenden Candoia paulsoni beträgt zwischen 6 und 7 Monaten (rund 160 – 200 Tage). Je nach Alter und Größe der Mutter kommen zwischen 4 und 40 Jungtiere zur Welt.
Junge Candoias sind sehr kleine Schlangen. Ihre Körperlänge reicht von 15 – 25 cm bei einem Gewicht von 12 – 26 Gramm. Wie bereits weiter oben erwähnt wurde, sind Jungtiere in der Nahrungsaufnahme spezialisierter als Adulti. Man sollte jedoch nicht überhastet auf Zwangsfütterung zurückgreifen wenn die kleinen Boas nicht an das typische Terrarienfutter wie Babymäuse gehen wollen. Wie bei vielen Inselarten bzw. sehr kleinen Schlangen fressen Jungtiere meist eher kleine Echsen und müssen mit viel Geduld und ein paar Tricks überzeugt werden. Kleine Jungnager an toten Echsen gerieben eignen sich nach meiner Erfahrung gut dafür. Am einfachsten geht’s aber immer noch mit Futterechsen. Als Grundsatz kann vor allem dienen, je kleiner das Futtertier desto besser. Die ersten Lebensmonate sollte man die Tiere etwas feuchter halten. Nach ungefähr drei bis vier Jahren sind Pazifikboas geschlechtsreif.

Schlussgedanke:
Candoia carinata und C. paulsoni sind, wie auch die anderen Gattungsvertreter, sehr interessante und individuelle Pfleglinge. Gerade ihr ausgeprägter Individualismus kann einen Neuling schnell überfordern zumal man, gerade von Candoia carinata, nahezu nur Wildfänge bekommt. Dem erfahrenen Halter werden die Tiere aber viel Freude bereiten. Es wäre schön, wenn die Zahl der Halter und Züchter dieser wunderbaren Art mit der Zeit steigen würde und somit weniger auf Wildfänge zurück gegriffen werden müsste.

Dank:
Ich danke Peter Steinmüller für die Bereitstellung von Bildern, Harald Jorias für Daten und Bilder und allen die mich kennen für die Akzeptanz meines exzessiven Hobbies.

Literatur:
BAUER, A.M. and WAHLGREN, R. 2000. On Boa variegata Thunberg 1807, a neglected boid snake name. Hamadryad 25:93-97
BOULENGER, G. A. 1895. On a collection of reptiles and batrachians from Ferguson Island, D'Entrecasteaux group British New Guinea. Ann. Mag. Nat. Hist. (6) 16: 28-32
COLVÉE, S. & MARTÍN, A. 2005. Keeping Pacific Island Boas of the Genus Candoia. Reptilia (GB) (39): 73-77
DE LANG, R. & G. VOGEL 2005. The snakes of Sulawesi. A field guide to the land snakes of Sulawesi with identification keys. Frankfurter Beiträge zur Naturkunde, 25, Edition Chimaira, Frankfurt am Main, 312 pp.
MCDIARMID,R.W.; CAMPBELL,J.A. & TOURÉ,T.A. 1999. Snake species of the world. Vol. 1. Herpetologists’ League, 511 pp.
SCHMIDT, KP 1932. Reptiles and Amphibians from the Solomon Islands. Field Mus. Nat. Hist. Zool. Ser. - 18 (9): 175-190
SMITH, H.M.; CHISZAR, D.; TEPEDELEN, K. & VAN BREUKELEN, F. 2001. A revision of bevelnosed boas (Candoia carinata complex) (Reptilia: Serpentes). Hamadryad 26 (2): 283-315
STIMSON, ANDREW F. 1969. Liste der rezenten Amphibien und Reptilien: Boidae (Boinae + Bolyeriinae + Loxoceminae + Pythoninae). Das Tierreich 89 xi + 1-49
STULL, O.G. 1956. Description of a new subspecies of the boid snake, Enygrus carinatus. Copeia 1956 (3): 185-186
SWITAK, KARL H. 2006. Adventures in Green Python Country. Natur und Tier Verlag (Münster), 364 pp.
Werner, F. 1899. Beiträge zur Herpetologie der pacifischen Inselwelt und von Kleinasien. I. Bemerkungen über einige Reptilien aus Neu-Guinea und Polynesien. II. Über einige Reptilien und Batrachier aus Kleinasien. Zool. Anz. 22: 371-375, 375-378
WIRZ, S. 2002. Ein Kleinod im Terrarium - die Pazifik-Boa Candoia carinata carinata (SCHNEIDER 1801). Herpetofauna 24 (139): 19-27
  
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