Schlangenforum :: Das Leguanterrarium
Autor mike Datum Fr März 23, 2007 13:48 Aufrufe 15736
Keywords
Beschreibung Ein ausführlicher Bericht über den Bau und die Einrichtung eines Terrariums für grüne Leguane. Im ersten Teil geht es um die Planung und den Rohbau eines Holzterrariums, sowie die Gestaltung von Felswänden.
Übersicht

1 - Die Vorüberlegungen
1.1 - Die Planungsphase
1.2 - Die ersten Schritte: Der Rohbau
1.3 - Eine weisse Sache: Die Konstruktion der Felswände
2 - Eine wohlbedachte Schweinerei: Das Verputzen der Wände
2.1 - Es werde Licht: Der Lampenkasten
2.2 - Auf der Zielgeraden: Die Einrichtung
2.3 - Endlich geschafft: Der Leguan zieht ein
2.4 - Einige Fakten und Statistiken

Das Leguanterrarium 

Das Leguanterrarium (Teil 1)
Die Vorüberlegungen



So wird das Zimmer in Zukunft aussehen.

Nachdem ich mich mittlerweile schon eine ganze Weile mit "kleinen" Terrarien befasst habe, wird es nun wohl langsam Zeit, eine Nummer größer zu denken. Naja, eigentlich liegt es wohl eher daran, daß ich mal wieder einfach nicht wiederstehen konnte, als ich einen grünen Leguan bei einem Bekannten sah.

Das Tier stammt aus einem Notverkauf, ist männlich und ca. 3,5 Jahre alt. Elwood, so wird der kleine Racker heissen, gefiel mir auf Anhieb und nach knapp 14tägiger Bedenk- und vor allem auch Planungszeit war klar, daß er bei uns einziehen wird.

Maßgabe war, das sein neues Terrarium in mein eigentlich schon gut gefülltes Terrarienzimmer integriert wird was mit einigem Gehirnschmalz wohl auch ganz gut gelungen ist (zumindest auf dem Papier). Also wurden kurzerhand 3 neue Terrarien gebaut und 6 von neun Becken aus der bisher einzigen Terrarienwand in dem Zimmer entfernt.

Die drei neuen Terrarien, befinden sich nun auf der gegenüberliegenden Wand des Raumes. In ihnen leben bereits meine Königspythons, die Kaiserboa und die Zwergbartagamen.



Das Terrarium für den Leguan wird also 200 cm breit, 100 cm tief und 240 cm hoch sein (Außenmaße). Wobei von der Höhe 40 cm für den Beleuchtungskasten abgezogen werden müssen. Ich denke, diese Größe wird erst einmal ausreichen und wie mir auch schon von verschiedenen Leuten gesagt wurde, wird das Terrarium auch zwei Tieren noch genug Raum bieten, so daß ich später noch ein Weibchen hinzusetzen kann.

Die Planungsphase

Nachdem das also geklärt war, war es Zeit, das Terrarium genauer zu planen. Ich baue meine Terrarien nur noch aus einer Kombination von Holz und Glas. Für das Leguanterrarium habe ich mich für einen Rohbau aus 18 mm dicken Grobspanplatten entschieden.

Diese Spanplatten, die im Handel unter der Bezeichnung "Grobspan V100" erhältlich sind, haben gegenüber den "herkömmlichen" Spanplatten einen entscheidenden Vorteil. Sie sind recht feuchtigkeitsresistent. Sie werden zum Beispiel von Transportunternehmen zum Bau von Kisten eingesetzt, die dann mit Schiffen transportiert werden oder auch im Hausbau.

Für die Frontplatten werde ich Pappelsperrholz in einer Dicke von 10 mm einsetzen. Damit die Schiebescheiben später keinen Spannungen unterliegen, falls sich eine Holzplatte wider Erwarten verziehen sollte, werden sie mit einem Rahmen aus Alukantrohren eingefasst.



Nachdem also die Stärke der eingesetzen Materialen geklärt ist, wird es langsam Zeit für eine detailierte Planungsskizze. Ganz wichtig ist es, sich bereits zu diesem Punkt darüber klar zu werden, wie die einzelnen Elemente zusammengesetzt werden sollen. Es macht nämlich einen Unterschied, ob man z.B. die Rückwand einfach von hinten auf die Seitenteile aufschraubt oder sie zwischen den Seitenteilen befestigen wird.

In meinem Fall wird die Rückwand von hinten aufgeschraubt, so daß die Seitenteile um je eine Holzstärke verkürzt werden müssen. Das heisst, für ein 100 cm tiefes Terrarium dürfen die Seitenteile nicht 100 cm breit sein, sondern nur 98,2 cm (die Holzstärke war ja 1,8 cm). In diesem speziellen Fall wurden die Seitenteile sogar noch um 2 cm schmaler, da ich ja vorne die Alukantrohre integrieren möchte.

Aufgrund der Größe des Terrariums habe ich mich ausserdem entschlossen, die Rückwand in 4 Teile und die Seitenteile, den Deckel und den Boden in je 2 Teile aufzuteilen. So kann ich später leichter mit ihnen Hantieren.

Die ersten Schritte: Der Rohbau





Nachdem die Materialen gekauft und ins Zimmer transportiert waren, begann ich gleich mit dem Aufbau. Zunächst legte ich auf dem Fußboden mehrere 1 cm dicke Leisten aus, auf denen das Terrarium später stehen wird. So werde ich es bei Bedarf noch ein wenig zurechtrücken können.

Dann habe ich die beiden Teile für den Terrarienboden daraufgelegt und mit Metallverbindern zusammengeschraubt. Nach dem genauen positionieren des Bodens wurde der erste Teil der Rückwand und ein Seitenteil mit Metallwinkeln befestigt, so daß eine erste Ecke entstand. So entstand nach und nach eine aufrecht stehende Kiste. Von diesem Teil habe ich leider keine Fotos, aber ich ich denke, daß man es sich auch so ganz gut vorstellen kann.

Dieses Terrarium ist übrigens für mich das erste, in dem ich mit einer Leiter arbeiten muß.



Weiter geht's mit dem ersten Teil der Einrichtung. Die Wände sollen später in Felsenoptik gestaltet werden, was ich bei kleineren Terrarien mit Styropor, das mit Fliesenkleber überzogen wurde, realisiere - doch dazu später mehr.

Bei einem Terrarium für ein Tier von der Größe eines grünen Leguans ist eine Unterstruktur nur aus Styropor meiner Meinung nach nicht stabil genug. Daher habe ich an den Stellen, an denen später Felssimse sein sollen, Regalbretter angebracht. Diese werden später unter dem verputzten Styropor verborgen sein.

Ausserdem soll ein großes Wasserbecken in das Terrarium integriert werden. Daher habe ich eine Hälfte des Bodens um 45 cm erhöht. Dort wird das Wasserbecken eingelassen. Den Raum darunter werde ich zunächst als Stauraum nutzen, später kann ich darin eine Bruthöhle realisieren.

Eine weisse Sache: Die Konstruktion der Felswände





Wie schon kurz erwähnt, besteht die Unterkonstruktion der Felswände aus Styropor. Dieses bekommt man in verschiedenen Stärken in jedem größeren Baumarkt. Ich bevorzuge die Stärken 10mm für "sanfte" Felsstrukturen und 50mm für schroffe und strukturreiche Felsen und für Ablageflächen. Das Styropor kann man wunderbar mit einem speziellen Styroporkleber miteinander verkleben oder es auf Holz oder auch Glas befestigen.

Zunächst werden die Wände komplett mit einer Schicht Styropor verkleidet. Dabei sollte man möglichst passgenau arbeiten und größere Zwischenräume vermeiden. Wichtig ist es auch, hierbei nicht mit dem Kleber zu sparen, sonst fällt einem später womöglich die Wand einfach entgegen.




Soll später eine Schlange in dieses Terrarium einziehen, achtet unbedingt darauf, daß die Ränder der Styroporplatten dicht verklebt sind. Sollte Eure Schlange dort eine Lücke finden, wird sie sich wohl bald über eine gemütliche, enge Höhle freuen.

Nun wird es langsam Zeit, aus den nun doch eher deplaziert wirkenden Regalbrettern natürlich wirkende Felssimse zu machen. Dazu habe ich auf und unter das Brett je eine Schicht Styropor geklebt und die überstehenden Ränder abgeschnitten. Die Styroporplatten lassen sich sehr leicht mit einem scharfen Bastelmesser bearbeiten und man sollte versuchen, die Konturen der Platten zu "verwischen".


Dann habe ich das Wasserbecken, einen kleinen Gartenteich, in den Sockel eingelassen. Mit einer Stichsäge geht das recht schnell. Man legt den Teich umgedreht auf die Unterseite des Brettes und zieht seine Konturen mit einem Stift nach.

Dabei muß man bedenken, daß der Teich später spiegelverkehrt zur momentan aufgezeichneten Lage im Terri sein wird.

Nun sägt man die gezeichnete Form aus und läßt dabei einen etwa 10 bis 15 mm dicken Rand stehen oder möglichst noch mehr. Auf diesem Rand wird später der Teich aufliegen. Den Boden um den Teich habe ich dann noch mit einer dünnen Styroporplatte verkleidet.

Die Felskonstruktion ist damit eigentlich schon fertig, aber sie sieht noch ziemlich steril und kantig aus. Dem wird jetzt Abhilfe geschaffen.

Styropor hat die Eigenschaft, sich bei sehr großer Erhitzung zusammenzuziehen. Mit einem Feuerzeug kann man das sehr schon mal probieren. Nehmt einfach ein Stück Styropor, z.B. einen Verpackungsrest eines Elektrogerätes und haltet kurz eine Flamme darunter, ohne das Styropor damit zu berühren. Es wird sich sofort zusammenziehen und eine Beule an der Stelle bilden. Die Oberfläche des Styropors ist danach an dieser Stelle relativ hart.



Das ist auch schon der ganze Trick. Man erhitzt die verschiedenen Stellen der Felswand mal mehr, mal weniger stark und erhält dadurch unterschiedlich starke Vertiefungen. Mit einem Feuerzeug 'ne ganz schöne Arbeit. Deshalb habe ich mir einen Gaslötkolben zugelegt, bei dem man die Lötspitze abnehmen kann. Benutzt man ihn ohne Spitze, wirkt er wie ein kleiner Bunsenbrenner, mit dem man die Strukturen einfach in die Wand zeichnet.

Da bei dieser Arbeit giftige Dämpfe vom Styropor freigesetzt werden, sollte man dies nur bei guter Belüftung oder besser noch im Freien machen. Wichtig ist es auch, daß man den Styroporkleber gut durchhärten lässt (ca. 24 Stunden) bevor man das Styropor auf diese Weise bearbeitet. Die einzelnen Platten krümmen sich nämlich evtl. und könnten sich sonst von einander oder von den Wänden lösen.

Bei kleineren Schlangen sind die Wände nun eigentlich schon fertig, weil das geschmolzene Styropor hart genug ist. Bei größeren Schlangen oder Echsen ist aber noch ein bisschen mehr Arbeit notwendig. Und bemalt werden soll das Ganze ja auch noch. Davon wird aber erst der zweite Teil des Artikels handeln.
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