Schlangenforum :: Das Leguanterrarium
Autor mike Datum Fr März 23, 2007 13:48 Aufrufe 15736
Keywords
Beschreibung Ein ausführlicher Bericht über den Bau und die Einrichtung eines Terrariums für grüne Leguane. Im ersten Teil geht es um die Planung und den Rohbau eines Holzterrariums, sowie die Gestaltung von Felswänden.
Übersicht

1 - Die Vorüberlegungen
1.1 - Die Planungsphase
1.2 - Die ersten Schritte: Der Rohbau
1.3 - Eine weisse Sache: Die Konstruktion der Felswände
2 - Eine wohlbedachte Schweinerei: Das Verputzen der Wände
2.1 - Es werde Licht: Der Lampenkasten
2.2 - Auf der Zielgeraden: Die Einrichtung
2.3 - Endlich geschafft: Der Leguan zieht ein
2.4 - Einige Fakten und Statistiken

Das Leguanterrarium 

Das Leguanterrarium (Teil 2)
Eine wohlbedachte Schweinerei: Das Verputzen der Wände





Wie bereits im ersten Teil angekündigt, müssen die Wände für das Leguanterrarium noch verputzt werden. Dies ist besonders wichtig, da ein Leguan über recht kräftige Krallen verfügt und die Styroporwände sonst beim Klettern zerstören würde.

Zum Verputzen der fertig geformten Wände benutze ich Fliesenkleber, den man in größeren Baumärkten kaufen kann. Es gibt dort zwei Arten von Fliesenklebern, starren und flexiblen. Für unsere Zwecke ist der flexible Kleber besser geeignet, da er zwar eine feste, harte Oberfläche bildet, sich aber in gewissem Maße mit dem Styropor verformt und daher nicht so schnell Risse bekommt.

Der Fliesenkleber hat eine sehr dunkle, graue Farbe, wenn man ihn anrührt, die sich aber beim Trocknen zu einem hellen Grau ändert. Daher kann man ihn recht gut mit Abtön- oder Acrylfarbe färben. Dies hat gegenüber dem nachträglichen Streichen den Vorteil, daß keine weißen Stellen zurückbleiben, weil nicht deckend gestrichen wurde.




Sehr gut geeignet sind helle braun und Gelbtöne, um den Kleber zu färben. Dabei muß man darauf achten, nicht zu viel Farbe einzumischen, da das Ergebnis sonst sehr künstlich aussieht. Am besten experimentiert man etwas herum, um das richtige Mischungsverhältnis herauszufinden.

Der Kleber sollte nach dem Mischen etwa die Konsistenz von Babybrei besitzen, so daß man ihn mit einem Pinsel dick auftragen kann. Beim Leguanterrarium habe ich ihn in einer Stärke von 4 bis 5 mm auf das Styropor aufgebracht.

Leider habe ich mich zunächst mit der Farbe verschätzt, da ich die Intensität des hellweißen HQI-Lichtes unterschätzt hatte. Daher habe ich mit Rotbrauner Acrylfarbe einen sogenannten "Wash" auf die Wände aufgetragen.

Ein "Wash" bezeichnet eine bestimmte Maltechnik, mit der Flächen abgetönt werden, ohne vorhandene Strukturen zu verdecken. Dazu verdünnt man die Zielfarbe so stark mit Wasser, daß sie die Konsistenz von Milch erhält. Das soll heissen, wenn man mit der Farbe eine senkrechte Fläche streicht, so soll sie herablaufen und dabei eine durchsichtige Farbschicht auf der Fläche hinterlassen.

Mit dieser Methode lassen sich auch Schatten an der Wand betonen. Dazu dunkelt man den ursprünglichen Farbton mit dunkelbraun ab. und bestreicht die gesamte Wand. Die Ursprungsfarbe wird nun leicht abgedunkelt und in den Vertiefungen sammelt sich mehr Farbe, so daß diese dunkler werden.

Danach kann man die Lichter auf der Wand betonen, indem man die Wand "Dry-Brushed". Dazu hellt man den Ursprungsfarbton mit weiß auf und taucht einen trockenen Borstenpinsel hinein.Den Pinsel tupft man dann solange auch einem Tuch oder Papier ab, bis kaum noch Farbe zurückbleibt. Dann streicht man ganz leicht mit dem Pinsel über die Wand. Dabei bleibt die helle Farbe an den erhöhten Stellen der Wand haften.

Es werde Licht: Der Lampenkasten




Die Wände sind nun fertig, aber es fehlt noch an der nötigen Terrarientechnik. Geheizt wird ausschließlich über die Beleuchtung, da der Terrarienraum eh' eine Tempaeratur von 24 Grad am Tage und 22 Grad nachts bietet.

Da Leguane zu den lichthungrigen Reptilien gehören, scheidet eine Beleuchtung nur über Strahler und Leuchtstoffröhren von vornherein aus. Der Hauptanteil des Lichtes wird durch einen HQI-Brenner geliefert, wie bereits erwähnt wurde. Auf dem Bild oben rechts kann man ihn recht gut sehen.

Als zusätzliche Wärmequelle dient ein einfacher Strahler, der über dem Sonnenplatz aufgehängt ist und ein mildes Umgebungslicht, um die recht harten Schatten zu verwischen, wird durch eine Leuchtstoffröhre geschaffen. Diese Beleuchtung wird morgens ein halbe Stunde vor dem HQI-Brenner eingeschaltet und abends eine halbe Stunde nach ihm wieder abgeschaltet. Dadurch wird eine Morgen- und Abenddämmerung simuliert.

Zur Mittagszeit wird zusätzlich eine UltraVitalux-Birne für 15 Minuten hinzugeschaltet, die für die benötigte UV-Bestrahlung sorgt.

Da Leguane sehr gerne klettern und fast immer in den oberen Bereichen des Terrariums zu finden sein werden, habe ich die Beleuchtung durch ein Metallgitter aus "Hasendraht" mit 10mm Maschenweite abgesichert.

Auf der Zielgeraden: Die Einrichtung





Nun ist das Terrarium eigentlich schon fast fertig.Es fehlen nur noch die Einrichtung und die Scheiben. Die Führungsprofile habe ich in Metallschienen eingefasst, die an den Frontplatten oben und unten angeschraubt sind. Dadurch bekamen sie zusätzliche Stabilität, die sie bei den doch recht schweren Scheiben gut brauchen können.

Die Profile selbst wurden mit Silikon in die Metallschienen eingeklebt und danach die benötigte Höhe der Scheiben ausgemessen. Dazu stellt man einen Zollstock in das untere, flache Profil (in die Führung hinein!) und misst gerade bis zum oberen Profil. Zum Ergebnis rechnet man 2 Millimeter hinzu.Dadurch ist gewährleistet, daß man die Scheibe zwar hineinhebeln kann, sie aber später festen Halt hat.

Die Äste müssen gerade bei Leguanen sehr fest gelagert sein, da diese Burschen nicht nur einiges wiegen, sondern auch recht gerne mal springen. Da wäre es fatal, wenn die Astkonstruktion zusammenbricht. Ich habe daher ein Gerüst aus Dachlatten gebaut und fest verschraubt, über das ich dann die Korkeichenrinde gestülpt habe. So musste ich die Rindenstücke nur an den Latten anschrauben, um sie stabil zu lagern.




Dies hat ausserdem den Vorteil, später einzelne Aststücke problemlos zur Reinigung aus dem Terrarium entnehmen zu können.

Um das Wasserbecken herum habe ich Kunstrasen verlegt, da dieses Substrat halbwegs gut aussieht und zudem den Vorteil hat, daß der Leguan es nicht ins Wasserbecken schleppen kann.

Die Pflanzen im Terrarium sind allesamt künstlich, da Leguane Vegetarier sind und echte Pflanzen nicht lange überleben würden. Der Baum auf der rechten Seite sollte aufrecht stehen. Daher habe ich aus Dachlatten ein Kreuz geformt und einen kleinen Topf darauf befestigt. In diesem Topf habe ich den Baum mit Fliesenkleber einzementiert.

Die anderen Pflanzen sind in vorhandenen Öffnungen in den Korkästen befestigt.

Endlich geschafft: Der Leguan zieht ein





Am letzten Freitag war es dann so weit. Ich habe den Leguan abgeholt und in sein neues Zuhause gesetzt.

Ich war ziemlich nervös. Wie würde er reagieren? Würden die Äste halten? Ist der Fliesenkleber fest genug? Wird das Tier fressen?.... Fragen über Fragen.....

Erst mal lag er recht still auf dem Ast, auf den ich ihn gesetzt hatte und beäugte seine Umgebung misstrauisch. Erst als ich das Zimmer verlassen hatte, fand er den Mut, unter den wärmenden Strahler zu klettern. Dort musste er sich wohl erst einmal ausruhen... Zumindest fand ich ihn eine halbe Stunde später so vor.

Keine 10 Minuten später hörte ich das mittlerweile vertraute Kratzen von Krallen auf mit Fliesenkleber verputztem Styropor. Richtig, er saß auf einer Ablage und schaute schon ganz neugierig von seinem Ausguck herab.

An diesem Abend wurde auch der Rest des Terrariums auf Leguantauglichkeit getestet. Es wurde geklettert, am Drahtgitter gehangelt, auf den Ablagen und Ästen stolziert... Alles hat gehalten.

Mittlerweile ist Elwood seit vier Tagen hier, er frisst bereits von der Pinzette oder holt sich sein Futter aus einer Schale neben dem Wasserbecken. Die Operation Leguan läuft also auf vollen Touren.

Einige Fakten und Statistiken

Bauzeit
  • 3 Wochen, neben der normalen Arbeit. Die reine Bauzeit würde ich auf etwa eine Woche schätzen.

Kosten
  • Konstruktion 900 DM
  • Elektrik 300 DM
  • Einrichtung 300 DM

Konstruktion
  • 2 Glasscheiben (150 x 100 cm) 6mm
  • 14,2 qm Grobspanplatten
  • 2 qm Sperrholz
  • 2 qm Hasendraht
  • 12 m Dachlatten
  • 8 m Alukantrohre und Aluschienen
  • 15 qm Styroporplatten
  • 4 Regalbretter
  • 25 kg Fliesenkleber
  • 2 liter Abtönfarbe
  • 0,5 Liter Acrylfarbe
  • 52 Metallwinkel
  • 16 Metallverbinder
  • ca. 200 Schrauben + Nagelkrampen
  • 1 Tube Silikon

Elektrik
  • 1 x 70 Watt HQI Strahler für den Außenbereich
  • 2 x 75 Watt Halogenstrahler mit Abdeckung
  • 2 x 18 Watt Leuchtstoffröhren
  • 1 x Ultravitalux 300 Watt
  • 3 Zeitschaltuhren
  • 15 meter Kabel
  • 1 Porzellanfassung
  • 2 Spritzwassergeschütze Fassungen für Leuchtstoffröhren
  • 2 Mehrfachsteckdosen
  • 1 x FI-Schutzschalter

Einrichtung
  • 1 x Gartenteich als Wasserbecken
  • 1 qm Kunstrasen
  • 80 liter Pinienrinde
  • 15 kg Zierkorkäste
  • 4 m Dachlatten
  • 1 künstlicher Philodendron 120 cm hoch
  • diverse Kunstpflanzen

Und schließlich
  • 1 grüner Leguan
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