Mal etwas erschreckendes aus der Heide...

Hier finden Diskussionen einen Platz, die in keines der anderen Hobbyforen passen.

Moderator: Forenteam

Antworten
Njoerchie
Mitglied
Beiträge: 318
Registriert: So Jan 03, 2016 16:00

Mal etwas erschreckendes aus der Heide...

Beitrag von Njoerchie » Sa Aug 11, 2018 17:31

Ich war heute mal wieder in meiner kleinen Lieblingsheide.

Im vergangenen Jahr waren dort in einem kleinen "Hotspot-Gebiet" drei wundervolle Schlingnattern zu beobachten - zwei hochträchtige Weibchen und vermutlich ein kleineres Männchen.
Die Beobachtungen konnte ich von Ende Juni bis Mitte August machen.
Das erste trächtige Weibchen habe ich damals in der prallen Nachmittagssonne bei deutlich über 30 Grad Celsius gesehen - es lag völlig erschöpft und lethargisch auf dem heißen Sand und hatte sich sichtlich übernommen, die weitere Ungebung bot auch keinen Schatten. Ich habe es dann ca. 15m entfernt in den Schatten gelegt, auf der Hand gab es weder Gegenwehr noch sonstige Bewegungen (völlig untypisch für die Art, meine NZen zuhause versuchen stets hektisch zu fliehen)...also alles richtig gemacht.
Auch Zauneidechsen gab es im letzten Jahr dort en masse, die Schlüpflinge waren zwischen Anfang und Ende Juli komplett geschlüpft.

In diesem Jahr, nach insgesamt 6 oder 7 Begehungen jetzt seit Mai, kam heute die große Ernüchterung.
Schon Anfang Mai stellte ich fest, dass die Heidesträucher im Gebiet des "Hotspots" großflächig abgeschoben und mit Sand aufgeschüttet wurden - die Fläche betrifft insgesamt die Größe einiger Fußballfelder.
Zauneidechsen in dem gesamten Gebiet nur noch vereinzelt, keine einzige Schlingnatter dort zu beobachten in diesem Jahr.
Als wenn das noch nicht genug wäre, ist anscheinend nicht eine einzige, junge Zauneidechse geschlüpft in diesem Jahr - es sind in dem gesamten Heidegebiet nur letztjährige und adulte Individuen zu beobachten bis heute. Schuld daran ist die Hitze seit April, wir haben in diesem Jahr viel zu wenig Regen gehabt, die Eier dürften vertrocknet sein im Sand.
Es bleibt zu hoffen dass die Zauneidechsen entsprechend ein zweites Gelege abgelegt haben - ob es so ist, wird der August samt September zeigen.

Im krassen Gegensatz dazu haben diverse angesiedelte Mauereidechsenpopulationem hier im Ruhrpott sehr zahlreiche Nachkommen erfolgreich schlüpfen lassen, so gibt es wenigstens ein wenig Herzenssonne hier in der Umgebung.

Konntet ihr ähnliches beobachten bei Zauneidechsen und Schlingnattern?

By the way - einige Ringelnatterpopulationen scheint es in diesem Jahr ebenfalls hart getroffen zu haben hinsichtlich Futter (Amphibien bzw. Austrocknung der Laichgewässer) und evtl. Eiablage.

VG, Jörg

Benutzeravatar
peregrinus
Mitglied
Beiträge: 618
Registriert: Fr Aug 16, 2013 23:52

Re: Mal etwas erschreckendes aus der Heide...

Beitrag von peregrinus » Mo Aug 13, 2018 14:48

Ich habe in meinem Garten extra die Komposthaufen und "Natternhaufen" gelegentlich gegossen, um die Kompostierung anzuregen, damit nicht alles einfach vertrocknet. Tagsüber verstecken sich darunter auch haufenweise junge Rana temporaria und Bufo bufo und auch der kleine Teich ist voll mit denen. Ringelnattern sind dort eigentlich auch, aber ich habe seit Anfang Mai keine mehr gesehen.

Ich habe auch mal solche Verbesserungsmaßnahmen in Moorgebieten gemacht, wir nennen das immer scherzhaft "Bäume fällen für den Naturschutz". Also Moorentkusselung oder Freihalten der Heideflächen, und das hatte eigentlich meist positive Wirkung auf die Reptilien. Aufschüttung mit Sand klingt aber nicht unbedingt nach Landschaftsschutzmaßnahmen. Weißt du, warum das dort gemacht wurde?

Njoerchie
Mitglied
Beiträge: 318
Registriert: So Jan 03, 2016 16:00

Re: Mal etwas erschreckendes aus der Heide...

Beitrag von Njoerchie » Mo Aug 13, 2018 15:47

Hi Pere :-)

Soweit ich das beurteilen kann vom letzten Jahr her, waren zum einen die Heidepflanzen zu einem guten Teil abgestorben, und zum anderen kamen dort junge Birken, Eichen und Wacholder (oder ein ähnliches Nadelgewächs) hoch.
Das Moos war zudem weitflächig ausgetrocknet.

Es sieht so aus als wären die Flächen erst kontrolliert abgebrannt und danach abgeschoben worden, anschließend wurde Sand aus der benachbarten Sandgrube aufgefüllt.

Die Heide leidet zwar recht stark durch die letzten Sommer mit recht wenig Regenfällen, aber man häte m.M.n. nicht so großflächig arbeiten dürfen...es ist einfach viel zuviel von der Gesamtfläche her.

VG, Jörg

Benutzeravatar
peregrinus
Mitglied
Beiträge: 618
Registriert: Fr Aug 16, 2013 23:52

Re: Mal etwas erschreckendes aus der Heide...

Beitrag von peregrinus » Di Aug 14, 2018 22:11

Das klingt ja übel... Dann hoffe ich, das kann von allein wieder zuwachsen. Eigentlich müsste man da die Bäume rausnehmen statt draufzukippen. Vielleicht mal die NABU Ortsgruppe zu einem Entkusselungseinsatz anregen? ;)

Und edit: Heute habe ich eine diesjährige Ringelnatter gesehen, die sich an den erwähnten diesjährigen Amphibien in meinem Garten gütlich tat! Es sind auch extrem viele mittlerweile, vor allem Erdkröten. Mit entsprechender Wasserzufuhr kann die Nahrungskette also wieder anrollen...

Antworten