Telescopus fallax

Hier geht es um die Haltung von Nattern.

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Njoerchie
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Telescopus fallax

Beitrag von Njoerchie » Mi Jun 13, 2018 10:54

Moin.

Ich bin seit Samstag Besitzer von einem juvenilen Pärchen Telescopus fallax.

Da ich mündliche Berichte gehört habe, in denen von Futterverweigerung wegen Stressanfälligkeit die Rede war, habe ich die beiden kurzerhand in ein 30*30*45cm (B*H*T) Terrarium zur Eingewöhnung gesetzt, die Schlangen sind etwa 25cm und 35cm lang (wobei das längere Tier fast doppelt so dick ist wie das kürzere).
Als Einrichtung dient monentan ausschließlich eine richtig dicke Moosschicht von bis zu 7cm, damit die Tiere sich zurückziehen können (plus Wassergefäß selbstredend).

Entgegen aller Berichte sind die Tiere übrigens auch zwischendurch tagsüber unterwegs! Das dürfte an den nicht ganz so hohen Tageatemperaturen liegen (aktuell ca. 25 Grad am Tage, 20 in der Nacht).

Gestern war die erste Fütterung. Ich habe es mit Echsenschwänzen sowie einer lebenden Jungechse versucht.
Die größere Katzennatter hatte sich von mir unbemerkt die Jungechse geschnappt, während die jüngere anscheinend auch darauf rumkaute.
Als ich zwischendurch wieder ins Terrarium sah, hatte die kleinere der beiden die größere schon ca. 5cm im Maul...es sah aus wie eine Presswurst mit zwei Schwänzen.

Ich griff ein, öffnete der kleineren vorsichtig das Maul und zog die größere wieder heraus.
Danach wurden beide getrennt in jeweils ein Terrarium mit den o.g. Maßen und der erwähnten Einrichtung gesetzt.
Die kleinere der beiden fraß danach noch einige Echsenschwänze über Nacht.

Die große scheint in Ordnung zu sein, anscheinend ist das Gift von Telescopus fallax ungefählich für Artgenossen, jedoch bleiben beide weiterhin unter regelmäßiger Beobachtung.


Seht dieses Posting bitte mal als Gegenbeispiel zu den Aussagen "Telescopus fallax kann man problemlos zusammen halten".
Nein, kann man nicht wenn gefüttert wird.
Aufgrund der Sensibilität der Art habe ich beide zusammen gefüttert, ich wollte ihnen nicht unnötigen Stress bereiten.
Passiert mir so nicht wieder.

VlG, Jörg

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Spielverderber » Mi Jun 13, 2018 13:44

Njoerchie hat geschrieben:
Mi Jun 13, 2018 10:54
Seht dieses Posting bitte mal als Gegenbeispiel zu den Aussagen "Telescopus fallax kann man problemlos zusammen halten".
Nein, kann man nicht wenn gefüttert wird.
Zusammen halten kann man sie schon. Ein klein wenig Erfahrung mit Telescopus habe ich auch. Man sollte grundsätzlich nicht mehrere Tiere zusammen im selben Terrarium füttern, gleich welche Gattung oder Art. Dieses Thema sollte man als Beispiel für das irgendwo anpinnen, was passieren kann. Selbst wenn der Halter die Fütterung beaufsichtigt, kann er doch erst eingreifen, wenn die Schlangen sich bereits ineinander verbissen haben. Pures Glück, daß hier nichts schlimmeres passiert ist.

Njoerchie
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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Njoerchie » Mi Jun 13, 2018 18:05

Das sehe ich genauso wie Du hinsichtlich des Glücks.
Die einzigen Schlangen die ich stets weiterhin gemeinsam füttern würde sind Eirenis modestus (gleicher Größe) und Lampropeltis pyromelana / knoblochi. Bei allen drei Arten habe ich bisher keinerlei Negativerfahrungen in längerer Haltung gemacht. :)

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Njoerchie » Do Jun 14, 2018 6:26

Spielverderber hat geschrieben:
Mi Jun 13, 2018 13:44
Zusammen halten kann man sie schon. Ein klein wenig Erfahrung mit Telescopus habe ich auch. Man sollte grundsätzlich nicht mehrere Tiere zusammen im selben Terrarium füttern, gleich welche Gattung oder Art. Dieses Thema sollte man als Beispiel für das irgendwo anpinnen, was passieren kann. Selbst wenn der Halter die Fütterung beaufsichtigt, kann er doch erst eingreifen, wenn die Schlangen sich bereits ineinander verbissen haben. Pures Glück, daß hier nichts schlimmeres passiert ist.
Wenn ich hier noch einmal kurz einhaken darf...

Bei Schlingnattern hat man schon dass Problem, dass sie neben dem Fressneid auch durchaus mal einen Mitbewohner attackieren können, das selbst noch nach 1 1/2 Jahrzehnten des Zusammenlebens im Terrarium, auch ohne dass Futter im Spiel ist.

Ich sehe bei T. fallax deutliche Parallelen im Fressverhalten zwischen beiden Arten, ich tendiere hier zur strikten Einzelhaltung bei beiden (und wenn man Girondische Schlingnattern hinzunimmt - diese ebenfalls).

Nach dem beschriebenen Vorfall ist es in jedem Fall anzuraten. :-)
Es ist so wie Du u.a. auch schon bei Lampropeltis des öfteren schriebst - die allermeisten Schlangenarten sollten alleine gehalten werden.
Ausnahmen bilden hier Wassernattern der Gattungen Natrix und Thamnophis sowie Nerodia (und ähnliche Arten), auch Storeria sind problemlos möglich.

LG, Jörg

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Spielverderber » Do Jun 14, 2018 10:04

Wer trotz Vorfällen wie diesem weiterhin mehrere Schlangen, wenn auch anderer Gattungen, gemeinsam im Terrarium füttert, der braucht sich über weitere Vorfälle nicht wundern.

Einzelhaltung ist bei Schlangen der einfachste Weg, mit dem man z.B. o.g. Vorfälle vermeiden kann. Man kann viele Schlangengattungen und -arten problemlos gemeinsam im selben Terrarium halten. Muß man aber natürlich nicht. Bei manchen, besonders eben denen, zu deren Beutespektrum Schlangen gehören, sollte man es lieber sein lassen. Irgendwann verlässt einen das Glück, und die Rechnung haben die Tiere zu zahlen.

Telescopus sp. ernähren sich zwar viel von Reptilien, ebenso Vögeln , aber soweit ich mich an meine Field Guides erinnere, praktisch ausschliesslich von Echsen. Nicht unmöglich, daß Schlangen auch ins Beutespektrum passen, oder sie in Terrarienhaltung u.U. gefressen werden. Das hängt vermutlich sehr von der Art und ihrem Verbreitungsgebiet ab. Ganz spontan ist Gruber der einzige Autor der mir einfällt, der kleinere Schlangen als Nahrungsquelle erwähnt. Die Regel ist das meines Wissens nach (in Terrarienhaltung) nicht, solange der Halter keine "Unfälle" durch gemeinsame Fütterung, zu lange Fütterungsintervalle oder ungeeignetes angebotenes Futter provoziert.

Ich habe damals versucht meine Telescopus mit Schlangen zu füttern. Erfolglos.
Neu erworbene Schlangen mit entsprechendem möglichen Beuteschema hält man dann eben erstmal rein zur Vorsicht einzeln.

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Njoerchie » Do Jun 14, 2018 16:06

Das kann ich so nicht unterschreiben.
Bei Natrix natrix und Thamnophis species sowie Nerodia species und Storeria ist die Gruppenhaltung und auch Gruppenfütterung überhaupt kein Problem, Ophiophagie wegen Futterneid o.ä. konnte ich niemals beobachten. Wir haben sogar schon Nerodia und Thamnophis gemeinsam in einem riesigen Terrarium (gleichgeschlechtlich in unterschiedlichen Arten) zusammen gehalten, die Tiere nehmen beim Fressen aufeinander Rücksicht, es kam zu keinerlei Vorfällen.
Auch bei Rhabdophis tigrinus ist Gemeinschaftshaltung und Gemeinschaftsfütterung absolut kein Problem, selbst bei Lebendfütterung mit Nachzuchtfröschen.

Bei Lampropeltis pyromelana und Lampropeltis knoblochi kam es in jahrelanger Gemeinschaftshaltung (strikt nach Arten getrennt) ebensowenig zu Vorkommnissen, selbst bei unterschiedlich großen Tieren - jeweils mit Tot- und Lebendfütterung.

VlG, Jörg

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Spielverderber » Do Jun 14, 2018 16:52

Eine Sache möchte ich sicherheitshalber klarstellen, vielleicht habe ich etwas missverständlich formuliert, vielleicht hast Du etwas falsch aufgefasst. Ich widerspreche nicht Deiner Erfahrung und glaube Dir wenn Du berichtest, daß die Fütterung genannter Arten in Gruppen bei Dir problemlos möglich war und ist. Zum nachahmen finde ich das dennoch ungeeignet.

Differenzieren muß man ganz klar zwischen Gruppenhaltung und Gruppenfütterung. Die Haltung in Gruppen ist bei sehr vielen Reptilien ohne Probleme möglich. Bei mir eben auch bei Telescopus. Natürlich immer unter Beachtung der Größe, geschlechtsspezifischer Eigenheiten, der Vermeidung unnötiger Vermehrung und so weiter. Die Fütterung in Gruppen kann funktionieren, bei Schlangen betrachte ich das jedoch extrem skeptisch, selbst bei Gattungen und Arten, die nicht als reptilienfressend bekannt sind. Bei meinen letzten Nachzuchten von Epicrates cenchria gab es beispielsweise Extremfälle. Haltung in der Gruppe zur Aufzucht kein Problem. Bis ich mit dem Haken die Tiere einzeln entnehme und seperat setze zum füttern. Einige Tiere haben sich jedes mal in andere verbissen und waren nur mit sanfter Gewalt wieder zu lösen. Jedes mal war noch nichtmal ein Futtertier im selben Raum. Bei Pantherophis obsoletus hatte und habe ich auch ein paar Tiere mit Eigenarten, noch deutlich extremer als bei den Epicrates.
Nerodia habe ich als Jungtiere in kleinen Gruppen gehalten und auch gemeinsam gefüttert. Je größer die Tiere wurden, desto unausstehlicher wurden sie untereinander. Irgendwann haben die sich, sobald potentielles Futter im Terrarium war, nur noch gegenseitig angegiftet, an eine Fütterung war unter solchen Umständen nicht mehr zu denken. Auch da bin ich zur Einzelhaltung übergegangen, um Unfällen vorzubeugen.
Bei Lamprophis/Boaedon mußte ich schon Verluste bei der Gruppenaufzucht und dauerhaften gemeinsamen Haltung hinnehmen, wohlgemerkt ohne gemeinsame Fütterung, und ohne, daß eine Fütterung anstand oder zuvor stattgefunden hätte. Seither nur noch Einzelhaltung, es sei denn es sind Jungtiere im Spiel, die eh zum verfüttern an meine (rein) ophiophagen Arten gedacht sind.
Zu Lampropeltis waren wir in anderen Themen schon unterschiedlicher Meinung, wenn ich mich richtig erinnere. Das muß man also sicher nicht nochmal aufwärmen.

Ich sage, Du hattest bei einigen Deiner Schlangen bisher schlicht und ergreifend Glück. Dieses Glück hat Dich nun bei den Telescopus verlassen. Meiner Meinung nach ist so ein Vorfall nur eine Frage der Zeit. Ich hätte zwar eher bei Lampropeltis damit gerechnet, aber nun gut. Du bist von Deiner Vorgehensweise überzeugt und wirst sicherlich nichts ändern. Ich hoffe, Deine Telescopus werden da eine Ausnahme sein und fortan einzeln gehalten, oder zumindest einzeln gefüttert. Als Futtertier wären mir solche Schlangen zu schade.

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Njoerchie » Do Jun 14, 2018 17:59

Du irrst Dich, ich habe meine Vorgehensweise schon geändert.
Ich halte sei Anfang diesen Jahres alle Tiere einzeln, ich habe aber auch bestimmte Gattungen komplett abgegeben (Nerodia, Thamnophis, Storeria).
Mit anderen Worten - ich halte nur noch Coronella, Telescopus, Eirenis (sowie einige Echsen als Futtertierzucht).

Alle Tiere bekommen Einzelhaltung und Einzelfütterung.

Die Telescopus waren nur ein Versuch zur Eingewöhnung weil sie insgesamt sehe sensibel sind, sonst hätte ich sie zur Fütterung separiert.
Der Vorfall war mir definitiv eine Lehre. ;-)

LG, Jörg

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Spielverderber » Do Jun 14, 2018 18:51

Njoerchie hat geschrieben:
Do Jun 14, 2018 17:59
Du irrst Dich, ich habe meine Vorgehensweise schon geändert.
Ich halte sei Anfang diesen Jahres alle Tiere einzeln, ich habe aber auch bestimmte Gattungen komplett abgegeben
Das ging aus diesem Thema nicht hervor. Aber jetzt wo Du es sagst, Anfang des Jahres gab es einen Bericht von Dir bzgl. Milbenbefall und falscher Behandlung, was massenweise verstorbene Tiere zur Folge hatte... so oder so, streichen wir also die letzten paar Sätze meines vorigen Beitrages.

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Re: Telescopus fallax

Beitrag von Njoerchie » Do Jun 14, 2018 23:30

Einverstanden. :-)

Milben sind nicht mehr vorhanden.
Soweit alles gut. :-)

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