Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

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Njoerchie
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Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Njoerchie » Fr Feb 16, 2018 22:47

Hi zusammen.

Im Juni fing ich mir unbemerkt mit Neuzugängen Milben in Hamm ein. Das infizierte Tier befand sich in der Häutung, so dass ich keine Milben auf ihm feststellen konnte.
Eine Woche nach Hamm verstarb eine junge Diadophis punctatus in Quarantäne, die ich in Hamm erhalten hatte - ich habe die Milben an ihr auch nach ihrem Tod nicht bemerkt.
Eine weitere Woche darauf verstarb eine meiner Nattern aus bestehender Haltung, auch hier ließen sich keine Milben feststellen weil in der Häutung.
Einige Tage später hatte sich der infizierte Neuzugang gehäutet, und ich entdeckte zahllose Milben auf meiner Hand nach einem Kontrollhandling.
Soweit zum Beginn des Desasters...

Ich informierte mich über diverse Vorgehensweisen, schnelles Eingreifen mit Chemie war unumgänglich.
Ich entschied mich für den Wirkstoff Permethrin (der auch in den schweizer Produkten Bio Kill und Clean Kill enthalten ist), namentlich Trixi Umgebungsspray.

Nach Rücksprache mit einigen Bekannten nahm ich die einzelnen Nattern heraus, entfernte die kompletten Wassernäpfe in den Terrarien und versprühte das Permethrin in allen Becken und Faunaboxen, auch in denen der gehaltenen Echsen.

Die Tiere vertrugen die Behandlung anfänglich gut, die Milben wurden reduziert.
Da ich kurze Zeit später rund 45 Nachzuchten meiner Nattern hatte wurden die Nachzuchten auf mit Permethrin behandeltem Papier gehalten.

Die Milben waren innerhalb von ca. 6-8 Wochen bei mir Geschichte.

Leider hatte sich ein Freund zeitgleich und unbemerkt bis August ebenfalls diese Milben in Hamm eingefangen, so dass sie sich hier unbemerkt vermehren konnten...doch dazu später mehr.

Bei mir gab es bis zum Schluss einige tote Jungtiere (etwa 10 Stück) durch Milben und Permethrin, alle Echsen stellten das Futter ein und verstarben durch das Permethrin indirekt.
Meine Eirenis punctatolineatus verstarben allesamt (7 Stück)
an den Folgen des Permethrins, drei Nattern erblindeten durch das Permethrin.

Da ich meine restlichen Jungtiere in Gefahr sah duech das Permethrin gab ich sie zu besagtem Freund.
Dort pflanzten sich die Milben weiterhin unbemerkt und ohne Todesfolgen in allen Becken langsam fort, und es kam im Laufe September nach Hamm zu einem Overkill - innerhalb von drei Tagen verstarben dort bis auf wenige Ausnahmen alle Thamnophis und Nerodia, alle meine Nachzuchttiere sowie eine Lampropeltis mexicana die gerade einmal eine Woche dort in seinem Bestand war - eine 110-120cm lange Schlange innerhalb von einer Woche quasi leergesaugt.
Also wiederholten wir hier notgedrungen die Permethrinkur damit die restlichen Tiere wenigstens gerettet werden konnten.

Die Tiere hatten in Hausschlangenbecken begonnen, wir dachten im August noch das Tier sei am Altersschwäche gestorben.
In eben dieses Becken kam später die L. mexicana, das Becken war viele Wochen lang unbesetzt.

Seit etwa drei Monaten sind bei uns alle Bestände milbenfrei, das Permethrin und die Milben haben uns insgesamt rund 100 Tiere gekostet.

Zu den Milben selbst: Wie sich durch nachträgliche Konversationen mit den Verkäufern aus Hamm herausstellte handelt es sich bei diesen Milben anscheinend um eine Art aus dem Kaukasus bzw. aus der Region Armenien/Georgien (und nicht aus den Tropen!).
Die Milben sind in allen Stadien pechschwarz, und sie scheinen winterfest zu sein!
Durch einen unglücklichen Umstand gelangten die Milben durch ein Abgabetier aus dem Bestand des ebenfalls betroffenen Freundes zu einem Bekannten im September in Hamm, als die Milben bei ihm noch unentdeckt waren.
Dort haben sie jetzt im Winterquartier einer Außenanlage fast den gesamten Bestand einer Natternart gekillt, was die These der Winterfestigkeit der Milben bestätigt (die Temperatur beträgt etwa zwischen 5 und 12 Grad im Winterquartier - je nach Witterung draußen).

Noch etwas zum Permethrin - gelangt es durch einen Unfall auch im trockenen Zustand (z.B. durch behandelte Erde o.ä.) ins Maul einer Schlange, so ist über 24 Stunden starker Speichelfluss, eine sehr hohe Wasseraufnahme (was fatal ist da Permethrin leider höchst wassertoxisch ist auf Langzeit) und Desorientierung zu beobachten.
Nach ca. 24 Stunden ist die jeweilige Schlange verstorben.
Dies geschah leider durch unglückliche Umstände bei drei Nattern von uns (zwei Jungtieren und einer adulten Natter).

Angesichts des massiven Befalls blieb uns beiden leider keine Alternative hinsichtlich des Handelns, zukünftig werde ich persönlich es niemals wieder so weit kommen lassen, und außer in der Prophylaxe auch kein Permethrin mehr anwenden - da gibt es auch andere Alternativen.
Ich war definitiv im Vorfeld zu unwissend und unbedacht, der besagte Freund ebenso.

Letztendlich bleibt festzuhalten dass ich zukünftig Vorbereitungen für Hamm treffen werde - Kleidung, Taschen, Transportboxen etc. werden allesamt mit Permethrin vor der Reise nach Hamm behandelt, nach der Rückkehr Kleidung und Taschen dito - nach dem Einwirken Wäsche für die Kleidung.
Auch werden die BraPlastdosen bzw. andere Aufbewahrungsbehälter für die Neuzugänge mit Permethrinbehandeltem Papier ausgelegt, die Quarantäne in der ersten Zeit ebenso.
Desinfektionsmittel wird immer parat sein in Hamm, allein schon um andere, potentielle Katastrophen zu verhindern.

Der Schaden durch den letztjährigen Befall ist insgesamt enorm.
Ich bin immer noch recht sprachlos über das was da gesamt gesehen geschehen ist. :-(

VG, Jörg

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peregrinus
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von peregrinus » Sa Feb 17, 2018 0:35

Es tut mir sehr leid um deine Tiere und was da passiert ist.

Zum Glück hatte ich noch nie mit Milben zu tun, weder privat noch in der Pflegestation, wo ich ausgeholfen habe. Dass gesunde Tiere an Milbenbefall gestorben sind, habe ich aber vorher noch nie gehört.

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Matthias
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Matthias » Sa Feb 17, 2018 3:00

Hallo,
peregrinus hat geschrieben:Dass gesunde Tiere an Milbenbefall gestorben sind, habe ich aber vorher noch nie gehört.
das kommt auf die schwere des Befalls und die damit einhergehende Behandlung an. Empfindlichere Arten können Probleme mit der Behandlung haben.
Gruß
Matthias

Spielverderber
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Spielverderber » Sa Feb 17, 2018 13:54

Sowas ist natürlich der Supergau für jeden Reptilienhalter mit größerem Bestand. Mein Mitgefühl, sowas sollte niemand erleben müssen.

Ich habe hier in der Grube wiederholt vor z.B. Ardap gewarnt, darin werkelt u.a. auch Permethrin:
http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm ... 531_00.htm
Die ebenso wiederholten positiven Berichte anderer kann ich bis heute in den meisten Fällen nur schwer nachvollziehen. Man kann permethrinhaltige Gifte einsetzen, wenn keine andere Lösung greift.

Dieses Thema sollte man irgendwo als wichtig anpinnen, als erschreckendes Beispiel dafür, wozu Milbenbefall und der Einsatz gewisser Wirkstoffe führen kann.

Njoerchie
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Njoerchie » Sa Feb 17, 2018 16:48

Ja es war ein Supergau.
Es zeigt aber auch dass eben NICHT alle Milbengefälle durch tropische Schlangenmilben oder Blutmilben stattfindet, sondern dass es stattdessen auch Milben gibt die kalte Temperaturen überstehen, etc.

Aus sicheren Beobachtungsquellen habe ich die Mitteilungen erhalten dass wir auch hier in Deutschland durchaus Milben haben die an Reptilien gehen und den Winter überstehen können, beobachtet wurden sie an Mauer- und und Zauneidechsen.
Soweit mir bekannt scheint es sich um Blutmilben zu handeln, welche Art genau lässt sich leider nicht sagen.

Ich glaube es ist noch längst nicht alles bekannt oder zumindest nicht alles allgemein bekannt was an Parasiten auftauchen kann.

Danke für das Mitgefühl, der besagte Freund und ich würden uns freuen wenn dieses Posting offen angepinnt und fixiert würde. :-D

Spielverderber
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Spielverderber » Sa Feb 17, 2018 17:23

Die in der Terraristik relevanten Milben sind überschaubar. Doch Du hast vollkommen Recht, es gibt darüber hinaus noch viele Milbenarten mehr, von denen einige für uns zum Problem werden können. Bei derzeit ca. 50.000 bekannten Arten kaum verwunderlich.

Zum Thema gesunde Tiere sterben durch Milbenbefall: einige der hier genannten Schlangenarten sind sehr klein, wie zum Beispiel Diadophis und Eirenis. Bei starkem Befall kann man durch den Blutentzug schon mit Folgen rechnen. Ausserdem ist jeder einzelne Biss eine kleine Wunde. Ebenso darf man davon ausgehen, daß Milben quasi nebenbei noch in der Lage sind Krankheiten, Bakterien, Viren ... zu übertragen.

Volker Ebensberger
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Volker Ebensberger » Sa Feb 17, 2018 19:43

Wahnsinn :-o in der Dimension habe ich es noch nie gehört. Mein größtes Beileid für die verlorenen Tiere.
Aber danke für deinen Beitrag, ich ging davon aus das lediglich Blutmilben gefährlich sind die ich auch schon zweimal hatte aber mit Raubmilben und Ardap in den Griff bekam.
Gruß Volker
(Mitglied des DGHT und DV-TH)

Ich grüße jeden der mich mag und der, der mich nicht mag kann mich gern haben

Njoerchie
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Njoerchie » Do Jun 14, 2018 23:38

So, jetzt noch einmal kurz ein letztes Update zudem Thema.

Unbedingt die Benutzung von Permethrin IN Terrarien vermeiden, ebenso die Behandlung mit Zewa, welches mit Permethrin behandelt wurde und gut durchgetrocknet ist.

Jungschlangen nehmen durch das Züngeln den Wirkstoff vom Papier auf. Da Permethrin als Nervengift wirksam ist, können Jungschlangen auch noch Wochen oder Monate nach der Aufnahme des Wirkstoffes daran plötzlich verenden OHNE weiteren Kontakt mit dem Wirkstoff gehabt zu haben.
Das ergab eine kürzliche Obduktion einer kleinen Jungnatter.

Nichts desto Trotz geht es den subadulten und adulten Tieren weiterhin scheinbar gut, jedoch habe ich auch hier immer im Hinterkopf dass Langzeit- oder Spätfolgen auftreten können.

Beim nächsten Milbenbefall werde ich mir in jedem Fall etwas unschädlicheres suchen, ich habe da schon einen sehr guten und heißen Tipp bekommen.
Anwendbar im Terrarium, definitiv unschädlich für Wirbeltiere, keine Reaktionen mit Wasser oder anderen Stoffen bekannt.

LG, Jörg

Spielverderber
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Spielverderber » Do Jun 14, 2018 23:53

Njoerchie hat geschrieben:
Do Jun 14, 2018 23:38
Beim nächsten Milbenbefall werde ich mir in jedem Fall etwas unschädlicheres suchen, ich habe da schon einen sehr guten und heißen Tipp bekommen.
Anwendbar im Terrarium, definitiv unschädlich für Wirbeltiere, keine Reaktionen mit Wasser oder anderen Stoffen bekannt.
Ich rate zu strikter Quarantäne von Neuzugängen, idealerweise räumlicher Trennung. Bei Milbenbefall Behandlung am Tier mit Frontline, Einrichtung des Quarantäneterrariums konsequent entsorgen. Ardap o.ä. kann man ausserhalb der Terrarien nutzen, um die Milben am wandern zu hindern. Niemals Neuzugänge direkt in einen vorhandenen Bestand setzen.

Darf ich fragen welches Mittel Dir da empfohlen wurde? Der Beschreibung nach klingt es zu schön um wahr zu sein.

Njoerchie
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Re: Meine Erfahrungen mit Milben und Permethrin als Wirkstoff.

Beitrag von Njoerchie » Fr Jun 15, 2018 0:01

Das Mittel heißt "The Fossil Shield - Home Shield", das Mittel wird aus fossilem Plankton hergestellt. Es soll laut den Anwendern perfekt funktionieren.

Frontline kann ebenso Tiere töten wie Permethrin, das werde ich nicht anwenden an Schlangen - höchstens als Barriere rund um jedes Terrarium herum.

Die Neuzugänge waren in Quarantäne, jedoch nicht in einem anderen Raum.
Klimatisch war der Terrarienraum in meiner alten Wohnung perfekt geeignet, da selbst bei 35 Grad Celsius Lufttemperatur draußen die Raumtemperatur immer 8-10 Grad darunter lag (es stand ein immenser, alter Laubbaum direkt vor dem Fenster, einfach herrlich. ;-) ).

LG, Jörg

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