Frage an die Halter

Diskussionen zur Haltung von Giftschlangen.

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xAnubis
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Frage an die Halter

Beitrag von xAnubis » Di Feb 19, 2019 12:42

Guten Tag allerseits,

Ich schleiche mich mal aus meiner Welt der Würgeschlangen zu Euch rüber, rein aus Neugier habe ich ein Paar Fragen.
Es gibt ja viele "ungefährliche Giftschlangen" mit schwachem Gift welches höchstens Schwellung und Rötung verursacht, diese sind ja sehr beliebt, vor allem bei Einsteigern in die Giftschlangenwelt, ich kann mir auch vorstellen dass es beruhigender ist zu wissen ein Fehler im Handling oder zu wenig Aufmerksamkeit muss nicht gleich zur Lebensgefahr werden. Jedoch gibt es auch Würmer mit sehr potentem Gift, sprich Mokassinschlange, einige Crotalus, Lanzen,-Bambus und Grubenotter, einige Elapinae?

Kann ich mir die Aufteilung hier im Forum oder in der allgemeinen Schlangenhaltung so vorstellen? 90:10 im Bezug auf Sehr Giftig-ungefährlich?
Oder "steigt" fast jeder Giftschlangenhalter nach vielen Jahren der Praxis irgendwann auf die "Königsdisziplin" um, wenn ich dass so nennen darf :D


Bin sehr gespannt auf Antworten!

Freundliche Grüsse

Lucas
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Matthias
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Re: Frage an die Halter

Beitrag von Matthias » Di Feb 19, 2019 20:48

Hallo,
es gibt keine ungefährlichen Giftschlangen. Die gefährlichste (Gift)Schlange ist immer die, die ich gerade gebissen hat!
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
diese sind ja sehr beliebt, vor allem bei Einsteigern in die Giftschlangenwelt
Woher nimmst du diese Erkenntnis? Man muss sich auf jede Art individuell vorbereiten. Die Haltung von z.B. Heterodon nasicus bereitet einen nicht wirklich auf die Haltung von Kobras vor.
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Jedoch gibt es auch Würmer mit sehr potentem Gift
Die gibt es durchaus.
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Kann ich mir die Aufteilung hier im Forum oder in der allgemeinen Schlangenhaltung so vorstellen? 90:10 im Bezug auf Sehr Giftig-ungefährlich?
Was genau meinst du damit?
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Oder "steigt" fast jeder Giftschlangenhalter nach vielen Jahren der Praxis irgendwann auf die "Königsdisziplin" um, wenn ich dass so nennen darf
Auch hier: Was meinst du? Die Haltung von giftigen Schlangen ist nicht der Olymp der Terraristik. Das sind einfach nur Schlangen, die ein besonderes Handling benötigen - nicht mehr und nicht weniger.

Als "Königsdisziplin" würde ich eher die Haltung von Arten sehen, bei denen es besonders schwierig ist sie dauerhaft zu halten oder gar nachzuziehen. Sei es durch besonderes Futter oder besonders aufwändiges Klima. Ein Beispiel dafür wäre Xenodermus javanicus.
Gruß
Matthias

Rbn
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Re: Frage an die Halter

Beitrag von Rbn » Mi Feb 20, 2019 2:54

xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Ich schleiche mich mal aus meiner Welt der Würgeschlangen zu Euch rüber [...]
Du musst dich nicht wagen. Wir beißen nicht. Und wir sind auch nicht giftig ;-)
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Es gibt ja viele "ungefährliche Giftschlangen" [...]
Eine Vergiftung durch ein Tier kann immer lebensbedrohlich ausgehen, allein schon aufgrund der Gefahr einer allergischen Reaktion. Daher stimme ich Matthias uneingeschränkt zu. Ungefährlich würde ich die Tiere deren LD50 nicht signifikant niedrig ist, nicht bezeichnen, auch wenn die Mehrzahl der Bissunfälle glücklich ausgeht, heißt das nicht, dass dein Fall dieser Mehrzahl entspricht.
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Es gibt ja viele "ungefährliche Giftschlangen" mit schwachem Gift welches höchstens Schwellung und Rötung verursacht, diese sind ja sehr beliebt, vor allem bei Einsteigern in die Giftschlangenwelt, ich kann mir auch vorstellen dass es beruhigender ist zu wissen ein Fehler im Handling oder zu wenig Aufmerksamkeit muss nicht gleich zur Lebensgefahr werden.
Ich denke eher, dass jede Schlange die richtige sein kann, auch für den Einstieg, wenn man sich ordentlich vorbereitet, im Handling geübt ist und sich mit dem Tier wohl fühlt. Auch beim Handling. Beispiel: Wenn jemand Crotalus sp. mit einem lächeln auf den Lippen handelt heißt das nicht, dass derjenige bei Naja sp. immer noch so entspannt ist. Wenn du dich mit so einem Tier dann unwohl oder unsicher fühlst ist das schon recht gefährlich.
Klar mag es für den ein oder anderen beruhigend sein, ein Tier zu haben was im allgemeinen als "einfacher zu handeln" gilt, aber das sollte nicht der Grund der Anschaffung sein.

Ich jedenfalls täte mir kein vermeintlich ungefährlicheres Tier anschaffen nur, weil ich mich an eine Art die ggf. eine intensivere Vorbereitung erfordert nicht heran traue. Zum einen, da das dem Tier nicht gerecht wird, dass ich mir da anschaffe und zum anderen, weil es mich im Bezug auf das Tier, dass ich mir eigentlich anschaffen wollen würde nicht weiter bringt.
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Oder "steigt" fast jeder Giftschlangenhalter nach vielen Jahren der Praxis irgendwann auf die "Königsdisziplin" um[...]?
Königsdisziplin würde ich genau so definieren wie Matthias. Einige Futterspezialisten sind wirklich mit das komplizierteste/anspruchsvollste was man in der Privathaltung zu sehen bekommt. Die Ansprüche vieler populärer giftiger Arten sind nicht größer als die von z.B. Epicrates Arten.

Aber so wie du die Frage meintest: Nein.
Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Jemand findet Agkistrodon contortrix extrem faszinierend, bereitet sich lange auf das Tier vor, schafft es sich irgendwann an und hat dieses Tier dann in seiner "Sammlung". Warum sollte dieser jemand sich dann mit der Zeit eine vermeintlich schwieriger zu handelnde Art anschaffen? Einfach um so ein Tier zu haben? Obwohl das Interesse bei Agkistrodon contortrix liegt? Das macht wenig Sinn. Da ist es wie in der ungiftigen Terraristik: Man schafft sich die Arten an die einen faszinieren/begeistern. Dasselbe bei mir und ich vermute auch bei Matthias.
Wer in die Giftschlangenhaltung einsteigen will, um das aggressivste oder "schwierigste" Tier zu haben, hat in dieser Sparte der Terraristik eher nichts zu suchen.
xAnubis hat geschrieben:
Di Feb 19, 2019 12:42
Kann ich mir die Aufteilung hier im Forum oder in der allgemeinen Schlangenhaltung so vorstellen? 90:10 im Bezug auf Sehr Giftig-ungefährlich?
Die Mehrheit der Terrarianer hat keine Giftschlangen. Soweit ich weiß machen Halter von Elapiden/Viperiden lediglich einen Promillebereich, höchstens einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der Terraristik aus.
Es gibt lediglich eine unerträglich laute Minderheit an Haltern die sich mit ihren Tieren und teilweise furchtbar unverantwortlichem Handling im Internet profilieren. Nicht nur im deutschsprachigen Raum.

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Re: Frage an die Halter

Beitrag von xAnubis » Mi Feb 20, 2019 10:01

Hallo,

Was ich im Bezug auf Giftschlangen vermutet habe war: Je giftiger und aggressiver das Tier umso komplizierter ist die Haltung, aufgrund der nötigen Erfahrung und Vorsicht, welche man sich durch kein Buch oder Film aneignen kann sondern durch Jahrelangen Umgang mit gefährlichen Tieren. Ich glaube kaum dass man das Verhalten und Handling einer Naja am Haken mit einer Kornnatter üben kann :lol:
Wenn man von Heterodon nasicus gebissen wird wegen mangelhafter Erfahrung oder Vorsicht dann kommt man (ohne Allergische Reaktion) gut davon, bei Zb. Crotalus adamanteus wäre dass ein wenig "problematischer". Aber natürlich sind die Haltungsparameter und die "Resistenz" der Schlange wie ihr schon sagt der grössere Teil der Schwierigkeit.

@Matthias: Was ich mit Aufteilung meine ist auf 100 Halter hier im Forum sind 10 Giftschlangenhalter 90 keine. :)
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Matthias
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Re: Frage an die Halter

Beitrag von Matthias » Mi Feb 20, 2019 23:19

Hallo,
xAnubis hat geschrieben:
Mi Feb 20, 2019 10:01
Wenn man von Heterodon nasicus gebissen wird wegen mangelhafter Erfahrung oder Vorsicht dann kommt man (ohne Allergische Reaktion) gut davon, bei Zb. Crotalus adamanteus wäre dass ein wenig "problematischer".
Wie bereits in meinem ersten Post geschrieben, kann man das nicht pauschalisieren. Man weiß vor einem Biss auch nicht, wie man auf den Biss einer Heterodon nasicus reagiert. Es kommt immer auf die Umstände an. Nimmt man z.B. gerade irgendwelche Medikamente oder hat eine Erkrankung, könnte das schon die Folgen eines Bisses verschlimmern. Die Physis und körperliche Verfassung kann da auch noch mit reinspielen. Ebenso kann ein Biss von der von dir genannten Crotalus adamanteus keine Folgen nach sich ziehen, wenn es nur ein Trockenbiss war. Da man das aber alles vorher nicht weiß, muss man immer konzentriert und vorsichtig sein, wenn man mit potenziell gefährlichen Tieren arbeitet.
Gruß
Matthias

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Re: Frage an die Halter

Beitrag von xAnubis » Do Feb 21, 2019 12:49

Alles klar, danke für die Info's.
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Njoerchie
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Re: Frage an die Halter

Beitrag von Njoerchie » So Mär 03, 2019 6:02

Ich sehe da schon Unterschiede bezüglich "Arten die für unerfahrenere Giftschlangenhalter geeignet sind, Abteilung "Friedhof" und Königsdisziplinen".

Die Grundprinzipien sollten bei ALLEN potentiell lebensgefährlichen Arten gleich sein: absolute Vorsicht, höchste Konzentration bei jedem Umgang mit den Tieren, eine zweite und konstruierte
/eingewiesene/erfahrene Person in der Nähe falls es zu einem Bissunfall kommen sollte, ausbruchssichere Terrarien, ein spezieller Giftschlangenraum, eine Haftpflichtversicherung, ausreichendes Mentoring, etc.

Zu den "Nicht so gefährlichen Arten" würde ich u.a. Aspidelaps lubricus sowie einige kleinere Klapperschlangen- und Vipernarten (hier z.B. die Wiesenotter und sehr nahe Verwandte) zählen.
Das Problem ist halt nur...holt man sich diese Arten zu Anfang, dann verleitet es einen evtl. zur Nachlässigkeit, einem "ist ja nicht so schlimm"...und in einem Bissfall kann man dann u.U. trotzdem daran sterben.

Unter "Friedhofsabteilung" verstehe ich Arten, die einem mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das Leben schwermachen können...darunter fallen für mich z.B. Kobras, Puffottern, die meisten Lanzenottern, Gabunvipern, etc.

Die "Königsdisziplinen" stellen für mich u.a. Mambas, aber auch Königskobras, Taipane, Common Brown Snakes und andere dar.

Nehmen wir z.B. Arten wie Kreuzottern oder auch amerikanische Kupferköpfe.
Bissunfälle enden hier seltener tödlich als bei anderen Arten...aber wenn man sich die Unfallberichte durchliest, dann kommt es durchaus gerade bei den Kupferköpfen häufiger zu Nekrosen mit eventuellen anschließenden Amputationen von Fingerendgliedern oder ganzen Fingern.

Ich selbst habe Haken- und Fütterungserfahrungen mit jungen amerikanischen Kupferköpfen, einigen Cerastes-Arten sowie jungen Tempelottern.

Ich selbst möchte keine Giftschlangen zuhause halten, aber wenn sich die Gelegenheit bietet, arbeite ich durchaus mit recht berechenbaren, kleineren Vipern in Begleitung (falls es doch einmal zu einem Bissunfall kommen sollte).
Auch mit Aspidelaps hatte ich schon Kontakt, allerdings habe ich hier auf Umsetzen u.ä. mit einem Haken verzichtet...ich kann Elapiden generell schlecht einschätzen (es mag aber auch an der eigenen Unsicherheit liegen).

VlG, Jörg

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